Ein Interview, das nicht berichtet werden darf
Christian Ulmen sprach in einem Interview mit der »Zeit« über Collien Fernandes und ihre Medienpräsenz. Doch das Gespräch bleibt im Verborgenen – ein interessantes Phänomen.
Es gibt Momente im Leben eines Journalisten, die einem wie ein zu tiefst gehaltener Geheimtipp vorkommen. Das Gefühl, etwas Erstaunliches entdeckt zu haben, während die Welt draußen unbemerkt vor sich hinläuft. So erging es mir, als ich von einem Interview erfuhr, das Christian Ulmen für die »Zeit« gegeben hat. Ein Gespräch über Collien Fernandes. Aber, wie es der Zufall so will, darf darüber nicht berichtet werden.
Man stellt sich die Frage, was an diesem Interview so brisant oder heikel ist, dass die Korken der Geheimhaltung diesen geballten Inhalt in eine Flasche quetschen. In der Welt der Medien, die oftmals von Sensationsberichten und Aufdeckungen lebt, ist dies ein eher ungewöhnliches Phänomen. Insbesondere in einer Zeit, in der das Private ständig zur Schau gestellt wird und jeder Skandal mit einem Klick im Internet abrufbar ist, ragt das Vertrauliche fast schon als kurvenreicher Berg aus der Einöde der Offenbarung hervor.
Collien Fernandes ist, so viel ist sicher, eine bemerkenswerte Persönlichkeit des deutschen Fernsehens. Ihr Name taucht in den verschiedensten Kontexten auf, sei es als Moderatorin, Schauspielerin oder in ihrer Rolle als Influencerin. Sie verkörpert eine Art von Medienschaffender, die nicht nur im Rampenlicht steht, sondern auch das Geschick hat, ihre eigene Narrative zu gestalten. Und das in einer Branche, in der die Kontrolle über das eigene Bild oft eine Seltenheit ist.
Die Tatsache, dass Ulmen mit ihr über Themen sprach, die sie gemeinsam als bedeutsam erachteten, lässt die Frage aufkommen, ob es vielleicht um weitaus mehr ging als nur um die Oberfläche ihres Schaffens. Könnte es darum gegangen sein, wie sich die Medienlandschaft verändert hat? Oder im Stillen darum, welche Rolle sie dabei spielt? Man kann nur spekulieren, denn die Inhalte dieser Unterhaltung sind in einem schwarzen Loch der Informationspolitik verhaftet.
Möglicherweise ist das Geheimnis nicht das, was gesagt wurde, sondern vielmehr, dass es nie gesagt werden darf. In einer Branche, die selbst thematisch auf der Jagd nach dem Neuen ist, hat das Unbekannte eine eigene Faszination. Es weckt die Neugier der Leserschaft und der Zuschauer. Woher stammt der Zauber der Geheimhaltung, der in den letzten Jahren so oft in der Öffentlichkeit diskutiert wurde? Geht es um das Bewahren der Privatsphäre oder schlichtweg um die Erhaltung des eigenen Mythos?
Gerüchte, die die Runde machen, sind wie die Luftblasen in einem Glas Schaumwein – sie versprechen prickelnde Unterhaltung, sind aber letztlich flüchtig und zerplatzen oft schon beim ersten Griff danach. Die Spekulationen, was Ulmen und Fernandes besprochen haben könnten, sind mindestens so schillernd wie die Persönlichkeiten selbst. Wie lässt sich ein Gespräch über Authentizität und Identität führen, wenn man sich gleichzeitig in einer Kultur bewegt, die mit der Entlarvung von Geheimnissen spielt?
In den sozialen Medien sind wir daran gewöhnt, jeden Moment des Lebens zu teilen. Ob Urlaubsbilder, Alltagsgedöns oder wichtige Lebensentscheidungen – alles wird im Stakkato der Bilder und Worte präsentiert. Dort gibt es kein Zurück. Aber jenseits der Echokammern der sozialen Netzwerke, wo jeder Sturm als Aufregung verkauft wird, stellt sich die Frage, ob wir die Tiefe der Gespräche verloren haben. Der Mangel an Privatsphäre und die ständige Forderung nach Offenheit können dazu führen, dass wir an den eigentlichen Themen vorbeischlittern.
Wenn wir an diesem geheimen Interview von Ulmen und Fernandes festhalten, wird deutlich, dass die Welt der Medien eine andere Art der Wahrnehmung erfordert. Es ist nicht nur die Frage, was gesagt werden darf, sondern auch, was für uns wichtig ist zu wissen. Vielleicht zeigt uns dieser Vorfall, dass das Geheimnisvolle, das nicht ausgesprochen werden kann, uns mit der Faszination dafür konfrontiert, wie wir über Menschen in der Öffentlichkeit denken und was wir über sie erfahren wollen.
In einer Welt, wo so viel gesagt wird, ist es oft das Ungesagte, das uns am meisten beschäftigt. Es regt uns an, darüber nachzudenken, was wir wirklich von den Personen erwarten, die uns durch das Fernsehen und die sozialen Netzwerke begleiten.
Und so schließe ich mit einem leicht ironischen Lächeln: Das Geheimnis wird wohl ein Geheimnis bleiben. Und wir werden uns weiterhin fragen, was dort zwischen Ulmen und Fernandes wirklich besprochen wurde.